Hintergrundwissen

 

Angst

Angst ist ein Teil von uns. Sie gehört zu uns und ist uns allen vertraut. Angst (indogermanisch *anghu: „beengend“) ist eine natürliche Reaktion des Körpers, die uns hilft, Gefahren und Risiken zu erkennen. Angst ist ein Signal an uns und schützt uns und unser Leben. Wir werden dadurch umsichtiger, aufmerksamer und bewusster, aber sie engt uns auch ein („Beklemmung“). Sie ist unser ständiger Begleiter und hat durch diese helfende und lebensunterstützende Funktion seit Jahrmillionen die Arterhaltung mitgesichert. Sie ist neben den Grundbedürfnissen die stärkste Antriebskraft im Menschen und bewirkt auch, dass Menschen Gruppen und Gemeinschaften, Machtstrukturen und Staaten bilden. Angst ist nicht dazu da, um uns Angst zu machen, sondern sie will bzw. muss uns vor bestimmten Dingen warnen, vor etwas, das wir ansonsten unter Umständen überhaupt nicht bemerken würden. Fast immer vermeiden Menschen die Konfrontation mit der Angst, aus sicherlich verständlichen Gründen. Doch in Wirklichkeit ist es äußerst lohnend sich ihr zuzuwenden und aufzulösen.

„Das einzige, was wir zu fürchten haben, ist die Furcht selbst.“, Michel de Montaigne, (1533 – 1592), französischer Philosoph und Essayist

Wir können vor allem Angst haben. Angst ist stets gerichtet, bezogen, sie ist eine Angst vor etwas, wie Angst vor Verrat, Angst vor Kontrollverlust, Angst vor Fühlen, Angst vor Hingabe, Angst wertlos zu sein, Angst erfolglos zu sein, Angst vor dem Alleinsein, Angst vor Nähe, Angst sich zu öffnen, etc. Die meisten verdrängten Ängste entstehen schon im Baby- und frühkindlichen Alter.
Auch Freud beschäftigte sich intensiv mit der Angst, weil er erkannte, dass Angst eine der zentralen Achsen der Psychodynamik ist. Ängste können abgespalten werden und haben dadurch stark destruktive und pathogene Auswirkungen. Im Unbewussten entfalten sie eine starke und mächtige Dynamik und kontrollieren, bestimmen, leiten und lenken uns und unser Leben. Ohne dass es uns bewusst ist.

 

Angst Auswirkungen

Trugwahrnehmungen, Denkstörungen, Wahn, Schizophrenie, Sorgen und Befürchtungen entstammen u.a. von verdrängten Ängsten, wie auch Zwänge die sich unbewusst beim Sprechen, Denken und Handeln aufdrängen. Verdrängte Ängste setzten sich als Energieblockade in unserem Körper fest, was wir, zumindest ab einem bestimmten Grenzwert, als eine Anspannung oder Verspannung fühlen können. Weitere körperliche Auswirkungen der Ängste zeigen sich unter anderem, dass das Herz schneller schlägt, Stresshormone ausgeschüttet werden, Krämpfe, Herzklopfen, Ansteigen des Blutdrucks, schnelle Atmung bis zur Atemnot, Schwäche, Schwitzen, Zittern, Zähneknirschen, insbesondere im Schlaf, Ohrensausen und Sehstörungen. Auch gibt es Herzbeschwerden jeglicher Art: Herzdruck, Herzklopfen, Herzjagen, Herzstechen, Herzstolpern, usw. Aber nicht nur der Körper wird dadurch stark beeinflusst und angespannt, sondern sie machen uns auch auf einer tiefen mentalen Ebene sehr unruhig und entziehen uns Energie. Angst erzeugt innere Anspannung die zu dauernden Unruhe, Nervosität und Gespanntheit führt. Diese führt wiederum zu schlechten Schlaf, zu Angstträumen, aber auch zu Missstimmungen, Gereiztheit, Wut, Zorn, Hassausbrüche, Aggressivität und zu einem Überreagieren. Auch wirkt sich Angst auf die geistige Leistungsfähigkeit aus und stört die Aufmerksamkeit und die Konzentration. Doch man wächst mit diesen Auswirkungen auf, man gewöhnt sich daran und daher werden wir ihnen nur selten bewusst. Man merkt die Anspannung nur, wenn man sie löst.

„Das Dasein der meisten Menschen ist von der Angst davor gerägt,

ihr Leben voll zu entfalten“. Alexander Lowen, US-amerikanischer Arzt und Psychotherapeut

Jeder hat verdrängte Ängste in sich, jeder hat unter diesen Verdrängungen zu leiden, ob es ihm bewusst ist oder nicht. Wir merken sie nicht, sie sind uns nicht gegenwärtig, wir fühlen sie nicht. Sie sind uns unbewusst, da wir sie verdrängt haben. Die wirklich starken und einflussreichen Verdrängungen kommen aus unserer frühen Kindheit. Sie beschränken und behindern seit dieser Zeit auch unsere Entwicklung. Sie blockieren uns, aber auch unsere Fähigkeiten und Eigenschaften sowie den Zugang zu uns selber, zudem wird jeder verdrängter Aspekt zum Verhaltens- und Erlebensmuster.

„Setze dich deiner tiefsten Angst aus. Danach hat die Angst keine Macht mehr über dich und die Angst vor Freiheit schrumpft und verschwindet. Du bist frei.“ Jim Morrison, (1943-1971), US-amerikanischer Sänger von „The Doors“

Auch steckt hinter vielen psychischen Phänomenen die Angst. Beispielsweise erzeugt die Angst vor Mangel oder auch die Angst vor Kontrollverlust Gier. Angst vor Versäumnis wird zur Ungeduld, Angst vor falschen Entscheidungen führt zu Unsicherheiten, bzw. führt zu Blockaden bei Entscheidungen. Angst vor Verletzung führt zur Hochmut, durch die Kastrationsangst, die laut Freud jeder Junge hat, wird die natürliche Aggression oder auch die Sexualität blockiert, etc.

„Wenn wir in der Furcht vor der Hölle leben, dann erschaffen wir sie uns.“

Aus: „A Field in England“, britischer, historischer, psychologischer Thriller, Rook Films, 2013

Weitere Beispiele von psychischen Auswirkungen:

Wenn die Angst verlassen zu werden irgendwann so stark war, dass sie abgespalten werden musste, so wird diese auch inhaltlich abgewehrt. Derjenige tut also alles, dass er damit nicht mehr konfrontiert wird, z. B. eher lieb und brav sein. Bei einer Angst vor Wertlosigkeit wird sich der Betroffene auch dementsprechend wertlos fühlen. Er wird auch immer wieder damit konfrontiert werden. Wenn eine Mutter sich und ihren eigenen Gefühlen nicht nah sein kann, hat sie auch Angst dem Kind wirklich nahe zu sein. Das Kind wächst nun mit dieser Vermeidung von Nähe auf und entwickelt selber Angst vor Nähe oder auch Angst vor Zurückweisung. Das führt zu Beziehungsproblemen, Unzulänglichkeitsgefühlen etc.
Die Angst vor Zurückweisung kann so stark sein, dass die Abwehrmechanismen den Beziehungs-Partner ständig kontrollieren in der Hoffnung damit die Kontrolle und Macht über den Partner zu haben. Mit solcher Macht und einem dominierenden Verhalten wird der andere in eine Unterwürfigkeit versetzt und so sollen Verlust oder Zurückweisung vom Partner vermieden werden. 
Wenn ein Säugling häufig alleine ist, kann sich dadurch Angst vor dem Alleinsein bilden. Diese Angst führt später zu einer starken Bedürftigkeit, zu einer Abhängigkeit, zu mangelnder Selbständigkeit, und zu einem Verhalten das das Alleinsein vermeiden will. Das kann leicht zu der Neigung führen, sich an andere zu klammern. Angst vor Aggression kann daher entstehen, dass das Kind seine eigenen Aggressionen verdrängen musste, um die überlebenswichtige Beziehung zum Primärobjekt zu gewährleisten. Angst vor dem Fühlen kann dazu führen, dass alles fühlen vermieden wird, alles rationalisiert wird und sich ständig im Denken aufgehalten wird. Bei einer starken Angst vor Verrat, fühlt sich derjenige ständig verraten oder benutzt. Von der Welt, Freunden, Bekannten, Familie etc. Eine starke Angst vor Menschen oder Nähe kann die Ursache sein, warum Menschen Einzelgänger werden. Angst zu sterben, Angst vor dem Tot, vermindert das Leben richtig zu erfahren und zu er-leben. Angst alles falsch zu machen kann dazu führen dass man generell stark vermeidend ist.

Jede starke Angst kann durch solche Dynamiken und Blockaden ein ganzes Leben prägen. Verdrängte Ängste sind die tiefen Motivationen auch für solche großen Lebensentscheidungen, wie die Wahl eines Berufs, Jobs, Partner etc.  

„Angst erscheint vielen wie ein dunkler Tunnel, mit der Unfähigkeit, den Ausgang zu finden. In Wahrheit ist Angst aber nur die Erschaffung dieses Tunnels, mit dem Unvermögen ihn als Konstruktion zu erkennen.“, Dirk De Sousa, (*1972), Psychologe und Autor

Angst - Auflösen

 

Zur Auflösung von Ängsten und sogar auch von verdrängten Ängsten.