Hintergrundwissen

Hier finden Sie Hintergrundwissen über Verdrängungen. Wenn Sie eine Verdrängung auflösen wollen, besuchen Sie diese Seite. 

Verdrängungen

Nicht nur die äußere Realität, sondern auch die innere kann für ein frühkindliches, zartes und offenes Wesen oft zu hart, zu überwältigend, unerträglich und auch völlig überfordernd sein. Sei es die starke Intensität von Schmerzen, die erdrückende Hilflosigkeit, die Deprivation, also der Entzug elementar wichtiger Grundbedürfnisse wie Liebe, Bestätigung, Bindung, Zuneigung, Zärtlichkeit oder unbarmherzige, nicht-aufhörende Verlust- oder Existenz-Ängste. In diesen frühen Jahren, besonders zwischen der Geburt und fünf Jahre, können solche Ereignisse dermaßen schädlich und zerstörerisch sein, dass sie bis zum Zusammenbrechen der Psyche oder auch bis zum Tod führen können. Um das zu vermeiden, um das innere und das äußere Überleben zu sichern und um die Funktionalität aufrechtzuerhalten, werden solche überfordernden und unerträglichen Aspekte wie Hass, Wut, Gefühle, Ängste, Kognitionen (Glaubenssätze) etc. abgespalten und in das Unbewusste verschoben. Damit sind sie vom Bewusstsein und vom eigenen Erleben ausgeschlossen. Das ist kein geistiger Trick wie schon Arthur Janov (1924, US-amerikanischer Psychologe und Schriftsteller) schrieb („Gefangen im Schmerz“) , sondern eine Reaktion des gesamten Organismus, indem Gehirn und Körper zusammenarbeiten. Als Erwachsener wären sicherlich viele solcher Aspekte auszuhalten gewesen, aber nicht als Baby oder Kleinkind. Denn damals waren wir noch ohne Verstand, Theorien, Glauben oder Hoffnung, die uns die Situation erklären oder verständlich machen und uns damit die Anspannungen nehmen konnten. Wir waren nur im Moment mit dem überwältigenden Schmerz, der grauenvollen Angst und auch ohne Wissen darüber, ob die Situation oder die erdrückenden Gefühle jemals aufhören würden. Die Funktion der Verdrängung/Abspaltung soll also über-verhältnismäßige schmerzhafte, überfordernde, nicht-auszuhaltende Erkenntnisse, Gefühle, Ängste, Konflikte, innere und äußere Verletzungen (z.B. seelischer und körperlicher Missbrauch, Demütigungen, Entwertungen), die Nichterfüllung oder Verletzung von Grundbedürfnissen und die daraufhin hervorgerufene Belastung abschwächen. Es geht damit um das Überleben, um den Schutz und um die Entlastung der Psyche, um die generelle Funktionsfähigkeit zu erhalten und um das Aufbauen und Bewahren von innerer Stabilität und Sicherheit zu gewährleisten. Es können fast alle mentalen Elemente wie Gefühle, Kognitionen (Schemata/Überzeugungen/Glaubenssätze), Wünsche, Ängste, Sehnsüchte, Scham, Wut, Trauer, usw., verdrängt werden. Oft wird Arthur Schopenhauer (1788 – 1860, deutscher Philosoph, Autor und Hochschullehrer) als Vordenker von Sigmund Freud (1856-1939, Neurologe, Tiefenpsychologe, Kulturtheoretiker, Religionskritiker und Begründer der Psychoanalyse) betrachtet und es gibt in seinem Werk einige Anhaltspunkte, dass er dort das, was Freud später als Verdrängung ansah, bereits vorformulierte. Auch wusste die „Weisheit des Volkes“ seit jeher über die Möglichkeit und die Tendenz im Menschen Ungewolltes, Überforderndes oder auch Unangenehmes auszublenden. Das Konzept der Verdrängung gibt es auch bei bestimmten östlichen Weisheitslehren, in der Bibel, bei Süd- und mittelamerikanischen Schamanen und nordamerikanischen Indianern, aber bei keinem so tief und detailliert auf den Grund gegangen wie bei Freud. Seine Entwicklung des Konzepts der Verdrängung, die ein pathogener, das heißt krankmachender Vorgang ist, wurde zum zentralen Bestandteil der psychoanalytischen Theorie und ist mittlerweile auch empirisch bestätigt worden („Psychoanalyse und Empirie.“, Arnold Langenmayr (Hg.), Christoph Werner (Hg.), Vandenhoeck Ruprecht Verlag“). Die Psychoanalyse hat laut Freud das Ziel diese unbewussten Aspekte wieder bewusst zu machen. 

Verdrängung ist ein psychischer Abwehrmechanismus und ist verwandt mit den biologischen Abwehrmechanismen. Bei einer allergischen Reaktion, sehen wir z. B., dass der Körper sofort und selber einen Abwehrstoff entwickelt, der den Eindringling bekämpft. Dieser Abwehrstoff ist nun so entwickelt, dass er den Eindringling unschädlich macht, den Angriff abwehrt und damit den Organismus in einem Zustand des Gleichgewichts hält. Negative Gefühle, überfordernde, verletzende Erkenntnisse, Wut, Hass, Schmerz auch das sind Aspekte, die den Organismus, besonders in den frühen Jahren erheblich schädigen können, und daher gibt es auch für diese mentalen oder psychischen Elemente, wie auch Bakterien, Viren etc., psychische Abwehrmechanismen. Die Verdrängung eines bestimmten Elements wie ein Gefühl, einer Angst oder auch einer Kognition führen dazu, dass dieser nicht mehr wahrnehmbar ist.  Diese Elemente werden vom Bewusstsein abgespalten und ins Unbewusste verschoben und entfalten dort eine starke, mächtige Dynamik mit destruktiven Auswirkungen. Freuds Schüler, Carl-Gustav Jung (1875-1961, Schweizer Psychiater und Begründer der analytischen Psychologie), nannte diese verdrängten Anteile „Schatten“, denn nach der Verdrängung sind sie tatsächlich entfremdet, kleben aber weiterhin an uns wie ein wirklicher (Licht-)Schatten. Die Dynamik, die nun aus jeder Verdrängung entsteht, mündet darin, dass diese Auswirkungen der Verdrängungen auf uns und unser Leben äußerst stark und schädlich einwirken. Denn mit der Verdrängung sind die Konflikte nur pseudogelöst; sie bleiben weiterhin aktiv und drängen wieder zurück in das Bewusstsein und drohen damit, wieder bewusst zu werden. Dadurch wirkt jede Verdrängung von innen her als Stressor auf den Organismus ein, belastet ihn und erzeugt damit eine Unruhe und Angespanntheit. Die Auswirkungen werden zu einer selbstzerstörerischen Kraft, die die Ursache von fast allen Problemen des Menschen ist und die am Ende sogar noch unbehandelt, in körperlichen Symptomen und Krankheiten endet. Doch da die Verdrängungen unbewusst sind, können wir auch nicht die wahre Ursache der Probleme erkennen. So bleibt der wirkliche Auslöser meistens im (wortwörtlichen) Dunkeln und Bemühungen daran, etwas zu ändern, zumindest langfristig ohne Erfolg. 

Die zwei Seiten der Verdrängung

Nur durch die Verdrängungen konnten wir die Traumata unserer Kindheit überleben; Sie retteten damit unser Leben. Doch ins Unbewusste verschoben, fangen sie an, uns und unser Leben zu sabotieren und zu zerstören. Das Unbewusste, das Sammelbecken aller Verdrängungen wurde von Freud wegen der Entfremdung auch schlicht „Es“ genannt und von Dichtern, Künstlern und aller Kultur jeher als das Angst-machende Unbekannte, die dunkle Seite, das Finstere und auch das Böse im Leben eines Menschen angesehen. So dunkel Es aber auch gemalt und angesehen wird, so birgt dieses Schlimmste, dieses Niedrigste aber auch das Höchste im Menschen. Diese Polarität sehen wir besonders gut bei der Geschichte von Dr. Jekkyl und Mr. Hyde, den guten und liebenswerten Menschen, der sich nachts zur Bestie verwandelt. Unter anderem sah auch Milton H. Erickson (1901-1980, amerikanischer Psychiater, Psychologe und Psychotherapeut), nach dem er durch die Hypnotherapie den Zugriff auf das Unbewusste fand, Es fortan weniger als Ursprungsort der Neurosen, sondern als etwas Positives: Als immenser, schon fast unheimlicher Kraftquell, wo unter anderem die kreativen Fähigkeiten zur Selbstheilung liegen. Wenn wir durch die Verdrängung unser Leben retten und das Verdrängte nun anfängt unser Leben zu zerstören, dann nur, weil es behandelt werden will. Es will gehört, es will bewusst gemacht werden. Es ist eine Wunde die geheilt werden will. Wenn diese geheilt wird, fallen nicht nur die schädlichen Auswirkungen wie Blockaden und Abwehrmechanismen weg, sondern auch die inneren, tiefen Verspannungen. 

Die Erkenntnis mit den Polaritäten wurden auch schon früher, im Westen wie auch im Osten thematisiert, wie diese beiden Zitate zeigen:

Wenn Du hervorbringst, was in dir ist, wird das, was in dir ist, dich retten. Wenn Du nicht hervorbringst, was in dir ist, wird das, was in dir ist, dich zerstören“, Apokryphisches (synoptisches, teils gnostisches) Thomas-Evangelium, Vers 70.

Für den, der den Geist bezwungen hat, ist der Geist der beste Freund; doch für den, der dies versäumt hat, wird der gleiche Geist zum größten Feind.“ – (Bhagavad Gita 6.6, zentrale Schrift des Hinduismus, ca.200-500 vor Christus)

Und auch wenn in unserer heutigen Zeit eine Psychologin wie Miller folgendes sagt, sollte uns bewusst sein, dass es sich hier um etwas Essentielles geht. :

„Die lebensrettende Funktion der Verdrängung in der Kindheit verwandelt sich später beim Erwachsenen in eine lebenszerstörende Macht.“, Alice Miller(1923-2010), schweizerische Autorin und Psychologin

Die Arbeit an Verdrängungen, ist im Kern das rückgängig-machen/das Auflösen des vormals Abgelehnten.  Dadurch wieder-integrieren wir unsere abgelehnten Elemente, machen wir uns ganz. Ganz ist ein anderes Wort für Heil. Wir heilen uns also, auf der tiefsten Ebene. Und diese Ebene beeinflusst so ziemlich alles in uns und in unserem Leben. Nur ist sie uns eben völlig unbewusst.


Ursache von Verdrängungen

 

Ein Trauma ist die am meisten vermiedene, ignorierte, verleugnete, missverstandene und unbehandelte Ursache menschlichen Lebens.“ Peter Levine (*1942, Biophysiker und Psychologe)

Das Trauma

Die meisten Verdrängungen entstehen in Traumata. Nach Biophysiker und Psychologe Dr. Peter Levine (1942), dem wohl bekanntesten Traumaexperten, lässt sich dieses Phänomen nur schwer definieren. Er geht davon aus, dass traumatische Situationen und die als Reaktion im Innern auftretenden Aspekte letztendlich zu überfordernd und zu viel Stress erzeugen, so dass wir nicht mehr damit umgehen können, bzw. es von unserem System, unserer Psyche nicht mehr verarbeitet werden kann. Das sind Situationen wo etwas zu verletzend, zu überfordernd, zu viel, zu schnell auf uns einstürmt, so dass wir es nicht mehr verarbeiten können oder unsere körperlichen Grenzen zu stark verletzt werden. Wenn die normale Verarbeitung (motorische Entladung, das Umsetzen oder Abreagieren (Weinen, Aussprechen o. ä.)) nicht gelingt oder auch gar nicht möglich ist, so gibt es keine andere Wahl als das überfordernde Element zu verdrängen und damit ins Unbewusste zu verschieben. Nach Levines eigenen Aussagen ist seine wichtigste Erkenntnis, dass Menschen, insbesondere Kinder von Ereignissen überwältigt werden können, die üblicherweise als normal und alltäglich gelten. Es muss also nicht nur körperliche, psychische oder sexuelle Misshandlungen sein, jede Situation kann also, besonders für ein Kleinkind traumatisierend sein, wenn sie, subjektiv, als lebensbedrohend oder überfordernd angesehen oder empfunden wird. Mittlerweile ist es auch erwiesen, dass eine Serie von scheinbar harmlosen Missgeschicken langfristig zu einer schädigenden Auswirkung und zu einem Trauma führen kann. Doch gerade das Babyalter, das frühkindliche Aufwachsen, die Erziehung, Kontakt oder Beziehung von und mit den Eltern oder den auf-erziehenden Personen können eine Fülle von Ursachen für Verdrängungen bringen: Keine oder mangelhafte Empathie, Resonanz, Bestätigung, Annahme, Zärtlichkeit oder Lieblosigkeit, Überforderung, Härte, Ängste, Kälte, Abwertung, Verurteilung, Kontrolle oder Sehnsüchte der aufziehenden Personen usw., aber auch Phänomene wie Stürze, Krankheiten, geringfügige Verletzungen, Alleingelassen-werden, anhaltende Ruhigstellung, laute Geräusche, Geburtsstress etc., kurz alles was das Kind einschüchtert, verunsichert, kränkt, hemmt, belastet oder verletzt, ihm seine Selbstständigkeit nimmt, kann letztendlich verdrängt werden, wenn dies zu stressig oder überfordernd für die Psyche ist. Auch ein Sturz beim Spielen oder vom Fahrrad kann unter Umständen schon traumatisierend sein. Neben den Traumen gibt es auch Mikrotraumen. Auch dort sind überfordernde Aspekte verdrängt worden, aber nicht ganz so stark wie bei einem Trauma, mit weniger Intensität. Wir können also eine „gute“ Kindheit haben, mit keinem großen, schlimmen Ereignis, Unfall, etc. und können dennoch vom Hals bis zum Kopf traumatisiert sein. Es ist für jedes Kind beispielsweise traumatisch, im Alter von ca. einem Monat, wenn es mehrere Stunden lang allein gelassen wird. Psychische oder seelische Misshandlungen können auch oft ganz undramatische Ereignisse sein, wie z.b. die Missachtung. Wenn die Eltern ständig oder immer wieder das Kind missachten, kann das zu einer traumatischen Atmosphäre führen. Das gleiche gilt, wenn das Kind z.B. von seinen Eltern ständig erniedrigt, bloßgestellt, irregeführt, verunsichert, überfordert, beschämt, verflucht, ignoriert, abgelehnt oder manipuliert wird. Dazu kommen bei solchen psychischen Misshandlungen die Erfahrungen, Gefühle, Ängste, Scham und Trauer nicht geliebt zu werden.

Traumata führen dazu, dass die Entwicklung gestört wird

Bei einem Trauma verlieren wir die Verbindung zu uns selber, zu unserem Körper und auch zu der restlichen Welt. Dieser Verlust ist schwer zu erkennen, da die Verbindung sich auch sehr langsam lösen kann. Wir passen uns dann an, ohne das überhaupt zu bemerken. Man spricht daher von „versteckten“ Auswirkungen eines Traumas. Vielleicht fühlen wir uns einfach nicht mehr so gut, unser Wohlbefinden, unser Zustand, unser Selbstvertrauen, unser Selbstwertgefühl, unsere Vitalität, Kraft, Energie und auch unsere Lebendigkeit, unser Antrieb wird langsam nach und nach vermindert und abgeschwächt. Die meisten starken Traumata und Verdrängungen geschehen im Baby- und Kleinkindalter bis zu ca. 5 Jahren, wir wachsen damit auf und bemerken diese langsamen Veränderungen kaum oder nur sehr wenig.

Das Trauma im geschichtlichen Kontext: Wenn wir uns die Geschichte des Menschen anschauen, sehen wir, dass der Mensch immer mit Überlebenskämpfe zu tun hatte. Jahrtausende musste er um seine Nahrung kämpfen, jagen und wildern. Bei solcher gefahrvollen Essensbeschaffung, vor allen Dingen bei den Kämpfen mit Tieren, kam der Mensch oft in Situationen, wo es um sein Überleben ging. Die grundsätzlichen, nicht vermeidbaren biologischen Reaktionen auf solche Situationen sind Kampf, Flucht oder Erstarrung (der sogenannte Totstellreflex). Bei Kampf und Flucht wird dafür sehr viel Energie und Kraft ausgeschüttet. Diese riesige Energieausschüttung bringt natürlich noch weiteres mit sich: hohe Anspannung, besonders der Muskeln, Stress, das Blut wird mit maximaler Stärke und Druck durch den Körper gepumpt, Hormone aller möglicher Art werden ausgeschüttet, die Herzfrequenz und Atmung werden beschleunigt etc. Alles damit wir mehr Energie und Stärke zum Überlebenskampf oder Flucht haben und auch damit wir Ängste oder Verletzungen nicht mehr fühlen. Normalerweise wird diese Erregung, diese Energie durch Kampf oder Flucht abgebaut. Doch wenn es nun nicht zu einem Kampf oder Flucht kommt, ist diese immense Traumaenergie mit der Anspannung, Bluthochdruck und dem Stress der freigesetzt wurde, immer noch im System enthalten. Wenn ein unerträgliches Maß an Erregung erreicht wird, schaltet sich eine Notbremse ein. Dann wird der Parasympathikus aktiviert und löst eine Erstarrungsreaktion aus („Tot-Stell-Reflex“). Unser Organismus bleibt damit physiologisch im Schock. Er wird fixiert entweder in Erstarrung oder auf dem hohen Erregungsniveau. Laut Levine, schütteln die Tiere sich nach solchen Situationen von dieser Energie frei. Der Mensch hat diese Möglichkeit nicht und fixiert sie damit im Nervensystem und wird mit den überfordernden Gefühlen, Ängsten oder Erkenntnissen/Überzeugungen mit verdrängt. Damit entledigt sich zumindest oberflächlich, der Mensch die Flucht-, bzw. Traumaenergie, der Anspannung und auch noch alle Aspekte die nicht zu verarbeiten sind.

Das Problem ist, wie gesagt, dass diese verdrängte Flucht- oder Kampfenergie, die dem Menschen immerhin unglaubliche Kräfte bringen kann, mit den verdrängten überfordernden Aspekten, wie z.b. die Angst zu sterben oder das Gefühl der Hilflosigkeit mit der hohen Anspannung in uns ist. Aber nicht nur im Unbewussten, sondern auch im Körper, denn die Verdrängung wird zu einer Anspannung im Körper, die wir ab einem bestimmten Grad als Verhärtung, Anspannung oder einer Verspannung spüren können. Denn wie besonders Wilhelm Reich (1897-1957, österreichisch Psychiater, Psychoanalytiker, Sexualforscher und Soziologe) zeigte, setzen die Verdrängungen sich in die tiefsten Ebenen der Muskelschichten fest und verformen sogar den Körper (siehe Charakterstrukturen nach W. Reich und A. Lowen). Und wenn diese Anspannungen so tief gehen, dann können Sie sich sicher vorstellen, dass diese Spannungen auch ihren Grundzustand, dass Bewusstsein, wie Sie es jeden Augenblick wahrnehmen, stark beeinflussen. Je verspannter der Körper ist, desto unruhiger sind auch Sie, bzw. Ihr Grundzustand. Und zwar nicht nur temporär, sondern permanent. Das Problem ist aber, dass wir mit diesen Anspannungen aufwuchsen und wir uns an sie gewöhnten. Wir gewöhnten uns an sie, bis sie uns normal geworden sind, bzw. unser Grundzustand ist einfach „normal“ und wir fühlen diese Anspannungen nicht mehr. Erst beim Auflösen von Verdrängungen nehmen wir sie wahr und werden dann durch die Auflösung innerlich immer entspannter, lockerer, fließender und lebendiger. Die Energie steigt, wir werden klarer und bewusster und dennoch entwickelt sich immer mehr und mehr tiefe Entspanntheit und damit tiefe Ruhe.

„Ein aufgelöstes Trauma ist ein großes Geschenk, das uns zur natürlichen Welt von Ebbe und Flut, zu Harmonie, Liebe und Mitgefühl zurückführt.“, Dr. Peter Levine

Vorgeburtliche Traumata wirken sich generell sehr stark aus. Häufig ist zu sehen, dass sich ein allgemeines Urmisstrauen bildet und die Betroffenen vom Babyalter an schon sehr unruhig sind, reizbar, überaktiv und unzufrieden. Auch die Urerfahrung, die Geburt, kann für das Kind schon viele negative Empfindungen wie (Existenz-)Ängste, Hilflosigkeit, Schmerz, Erstickungsempfinden etc. bringen und damit sie auch verdrängen.  

 

Auswirkungen des Verdrängten

Wir streben mehr danach, Schmerz zu vermeiden als Freude zu gewinnen.“, Sigmund Freud

Wie gesagt, helfen die Verdrängungen, uns Verletzungen, Konflikte und Traumen und damit das Babyalter und das Kindsein zu überleben. Es ist eine Notfunktion, mit der wir Notsituationen überleben können. Doch die Verdrängungen im Unbewussten bleiben ein entfremdeter Teil von uns und so ist auch die Verdrängung krankmachend, denn sie ist eine psychische Amputation, dessen Auswirkungen massiven Einfluss und Macht auf uns hat. Wenn wir nach einem Trauma die Verdrängung wieder lösen würden, wie wir es auch mit körperlichen Verletzungen machen, wäre dies kein Problem. Doch was machen wir mit inneren Wunden? Gar nichts. Wir belassen es einfach dabei, was sehr ist. Bei der inneren wie auch bei der äußeren Wunde werden die Auswirkungen von Zeit zu Zeit immer stärker. Bei der äußeren wie auch bei der inneren Wunde tendiert das System die Wunde zu heilen. Diese Heilung besteht bei der inneren Wunde darin, dem Betroffenen die Möglichkeit geben die verdrängten Anteilen, wieder zu erfahren, bzw. anzunehmen.

Das Verdrängte beginnt an zu drängen

Die Verdrängungen entfalten wie gesagt eine erhebliche Wirksamkeit und Dynamik. Sie fangen an ein Eigenleben zu führen und uns unbewusst massiv zu beeinflussen. Sie kontrollieren uns, aus ihnen entstammen die tiefsten Motivationen und Antriebe des Menschen. Sie lassen uns unbewusst Dinge vermeiden, sie blockieren, hemmen uns und unsere Eigenschaften, Seiten, Fähigkeiten, unsere Sexualität, unsere Liebe und Mitgefühl, unseren Erfolg, unser Fühlen, Beziehungen oder unsere Entwicklung, schwächen unser Selbstwertgefühl und unser Wohlbefinden; lassen uns über-verhältnismäßig wütend oder gereizt sein, stellen uns unter Spannung, lassen uns nicht zur Ruhe kommen, ziehen uns aus dem Moment, verändern unser Verhalten, ohne dass die betroffenen Personen sich das erklären können, was wirklich vorgeht, ziehen unser Selbstwert in Mitleidenschaft und lassen uns bestimmte Dinge einfach nicht mehr loslassen. All diese Auswirkungen sind da, doch bewusst werden sie erst ab einem bestimmten Grenzwert, und ab einem höheren Grenzwert werden sie störend und dann dysfunktional. Wenn Sie einen stark traumatisierten Menschen gesehen haben, können Sie, auch ohne ein Psychologe zu sein, merken, wie stark und zerstörerisch diese Auswirkungen sein können und was man damit meint, wenn jemand den Zugang „zu sich selber“, zu seinem Selbst, zu seiner Lebendigkeit, verloren hat.

Mit dem Heranwachsen des Kindes ändert sich die Psychodynamik der Verdrängung. Denn nach den ersten Traumen hat es sich einen Schutzwall, einen psychischen Panzer zugelegt sowie ein meistens unrealistisches Ich-Ideal das nun stark verfolgt wird. Vermieden wird nun die ihm schon bekannten, gefürchteten Situationen und es hat sich ein eingeengtes Schema von Überzeugungen herausgebildet. 

Weitere Auswirkungen

Die Auswirkungen der Verdrängungen kommen mit Zwang. Je früher die ersten Traumata auftreten, desto größer auch die Störung der frühkindlichen Entwicklung. Die Lösung von Verdrängungen gibt daher Freiheit, Bewusstheit, Energie und Klarheit. Verdrängungen erzeugen auch Druck. Dieser wird kompensiert durch die Psyche, bzw. durch ihre verschiedene uns unbewusste Taktiken, z.B. die Situation durchdenken, andere Wege oder Möglichkeiten finden Konfrontationen aus dem Weg gehen, Angstauslöser durchdenken und verstehen, sie mit anderen besprechen. Wir können versuchen, Gegenkräfte zu entwickeln, wie Vertrauen, Mut, Macht, Hoffnung, Glaube und Liebe und sind damit in der Lage, Ängste stückweise mehr anzunehmen. Doch tiefe Ängste, die oft aktiviert werden, können auch mehr Druck und Anspannung erzeugen und daher müssen die Kompensationstechniken sich ausweiten: Das können großräumige Vermeidungen sein, Ablenkungen, starke Fokussierung auf Beschäftigungen wie einem Hobby, Leistung oder Erfolg, Beruf, Sport, Alkohol, Zigaretten oder andere Drogen sein oder Rituale.

Zu weiteren wichtigen Auswirkungen zählt auch noch die Werdens- und Entwicklungshemmung. Denn Verdrängungen blockieren und hemmen auch unsere Entwicklung. Erich Fromm (1900-1980, deutsch-US-amerikanischer Psychoanalytiker, Philosoph und Sozialpsychologe) sagte dazu: „Die Wirkung der Verdrängung ist aber noch umfassender. Sie schränkt das Bewusstsein und die Weltoffenheit ein, und damit die ursprünglich angelegte Tendenz im Menschen, zu wachsen und zu reifen. Freud konstatierte letztlich eine „Einbuße an aller freien Entfaltung der Seelenkräfte“ (Freud 1898a, 515). Es entsteht „Furcht vor der Freiheit“ (Erich Fromm: „Die Furcht vor der Freiheit.“, 1941). Des Weiteren begrenzen oder beschneiden wir uns natürlich mit jeder Verdrängung selber. Daher verlieren wir bei jeder Verdrängung immer mehr von unserer Ganzheitlichkeit, unsere Freiheit und Lebendigkeit und entfremden uns auch immer mehr von uns selber und halten uns dementsprechend mehr im Denken auf. Auch führt die Verdrängung, das nicht-fühlen-wollen, natürlich dazu, dass wir weniger fühlen und dadurch wird das Leben durch jede dieser Verdrängungen fader, öder, eintöniger und Erlebnis-ärmer. Je mehr wir das machen, je mehr brauchen wir als Kompensation äußere Erlebnisse und Ereignisse, Phänomene und Sensationen, weil wir die inneren Sensationen nicht mehr erleben, nicht mehr wahrnehmen können. Wir brauchen im Außen, was wir im Inneren nicht mehr haben, weil wir es verdrängt haben.

Vollkommenheit, Ganzheitlichkeit, Energie und die damit einhergehende Zufriedenheit, Ruhe und Tiefe, das bei-sich-sein oder gar ein sich-selbst-sein, das „im Augenblick sein“ gerät so immer mehr in den Hintergrund, abgelöst von einer inneren Leere, die versucht wird mit allen möglichen Dingen im Außen auszufüllen, und zu kompensieren. Je mehr abgelehnt wird, je mehr die Ganzheitlichkeit fällt, je größer wird die Leere im Umkehrschluss, desto größer und stärker müssen die Ablenkungen oder Kompensationen sein. Genau daher wird auch alles extremer mit der Zeit; die Sensationen (und die Gewalt) in Presse, Filmen, Fernsehen und Medien. Erinnern wir uns an unsere frühe Kindheit, wie unbeschwert, einfach und leicht, aber doch innerlich so voll alles war. Alles war voller Lebendigkeit, Zufriedenheit und Seligkeit. Wir verlieren diese, weil die Verdrängungen unser Selbst und unsere Lebendigkeit blockieren. Die Auswirkungen der Verdrängungen ziehen und zerren an uns. Sie lassen uns nicht sein, ist ein bekannter Satz in der Traumaforschung. Umgekehrt bedeutet die Auflösung der Verdrängungen auch wieder den Zugang zu unserem Lebendigen, unserem Selbst.

Auch Reinszenierungen sind Auswirkungen von Verdrängungen. Solange die Verletzungen, die Trauma aus der Kindheit nicht geheilt werden, werden diese Situationen in der Gegenwart immer wieder und wieder erlebt.

Doch ein großes Problem mit den Auswirkungen ist, dass wir sie nicht als solche erkennen. Sie sind uns unbewusst. Schon Freud erkannte, dass das Unbewusste in Wirklichkeit das ist, was die meisten Handlungen des Menschen bestimmt. Der Mensch ist dann nicht mehr, um ein berühmtes Wort von Freud aufzugreifen „nicht mehr Herr im eigenen Haus.“  

Diese Erkenntnisse decken sich auch mit der bekannten Dührssen-Studie, die dafür verantwortlich war, dass die Psychotherapie 1967 zur Kassenleistung wurde, nachdem belegt wurde, dass die psychoanalytisch behandelten Patienten in den Folgejahren nach der Therapie signifikant weniger (körperlich) krank waren als andere, wodurch die Kassen viel Geld sparen können, auch wenn es zunächst viel kosten verursacht. Kurz, die Aufarbeitung von vielen Verdrängungen sorgt auch auf lange Sicht für weniger physischer Krankheiten!

„Der Kern jedes Symptoms, von Stress und Krankheiten sind Gefühle und Erinnerungen, traumatische Wahrnehmungen, die in unserem Unterbewusstsein begraben sind.“ Dr. Darren Weissmann, Biologe, Autor

Doch die Symptome von Verdrängungen sind nicht dazu da um uns zu behindern, sondern um uns zu helfen. Denn in der Tat beinhalten sie immer ein Indiz was verdrängt wurde. Die Symptome sind eigentlich Botschaften, Weckrufe an uns, um uns zu zeigen, was wir aufarbeiten müssen. Denn was oder wie sollte die Psyche dem Menschen zeigen, dass es da noch was im Keller sitzt, dass unbedingt aufgearbeitet werden soll?

Glücklicherweise gibt es mittlerweile einfache und bequeme Methoden Verdrängungen gründlich aufzulösen. Wenn Sie das machen wollen, besuchen Sie diese Seite 

Share on FacebookEmail this to someonePrint this pageShare on RedditTweet about this on Twitter

 

Angst- Auflösen

 

Zur Auflösung von Ängsten und sogar auch von verdrängten Ängsten.